Neu-Listernohl - Ein Dorf mit Zukunft

Dorfgeschichte

Rückblick

Dort, wo die Lister in die Bigge mündete, lag das Dorf Listernohl. Als die Fluten der Biggetalsperre es überspült hatte, entstand unweit des ehemaligen Klosters Ewig auf dem Krähenberg der neue Ort „Neu Listernohl“. Nach der Ortnamenkunde gibt es etymologische Eigenarten, die in den Endsilben eines Ortes das ungefähre Besiedlungsalter erkennen lassen. In unserem Falle wäre es –ohl- (= langgestreckte Mulde).

Hintergrund der Umsiedlung

Zur Sicherung des Wasserbedarfs wurde bereits 1938 vom Ruhrtalsperrenverein der Bau der Biggetalsperre zwischen Attendorn und Olpe geplant. Die Entwicklung und die Ausführung dieses Projektes wurde jedoch durch den zweiten Weltkrieg zunächst verhindert.

Im Februar 1950 bildete die betroffene Bevölkerung des Biggetals in Listernohl eine Notgemeinschaft, der „Interessengemeinschaft Biggetal e.V.“ Alleiniger Zweck war die Wahrung und Vertretung der Interessen der Mitglieder und Bevölkerung in Bezug auf den geplanten Bau der Biggetalsperre. Die geplante Talsperre sollte einen Stauraum von rund 150 Millionen m3 aufweisen. Das mittlere Biggetal zwischen Olpe und Attendorn sollte mit einer Fläche von 700 ha überstaut und 2400 Menschen umgesiedelt werden. Von den 25 Orten, die dem Wasser weichen mussten, ist das Dorf Listernohl das bedeutendste. Der Bau der Biggetalsperre bestimmte den Umzug der Listernohler in ihre neue Heimat, sie wechselten in den neuen Ort, nach Neu Listernohl.

Nachdem 1960 mit dem Bau des neuen Dorfes „Neu-Listernohl“ begonnen worden war, siedelten am 15. Oktober 1961 die ersten Familien Listernohls nach Neu-Listernohl um als Mieter in zwei von der Olper Wohnungsbaugenossenschaft errichteten Miethäuser bei Gut Ewig. Damit wurde auch die Namensgebung für den neuen Ort akut. Die Gemeindevertretung, welche die Namensgebung zu beschließen hatte, entschied sich bei der Abstimmung durch eine knappe Mehrheit für „Neu Listernohl“. Auf Grund eines Architektenwettbewerbs, den der Ruhrtalsperrenverein ausgeschrieben hatte, wurden die ersten drei Preise zu einem Plan vereint und die Durchführung des Plans der Westfälisch-Lippischen Heimstätte übertragen. Bereits im September 1962 waren 300 Personen nach Neu-Listernohl umgezogen. 1962 waren die Bauarbeiten inzwischen so weit fortgeschritten, dass Listernohl überall von Großbaustellen eingekreist war. Offizieller Abschied der Listernohler von ihrem geliebten Ort fand am 10. August 1963 statt. Am 25. Oktober 1963 erhielt das alte Dorf den Todesstoß. An diesem Tage wurden die neuen Verkehrswege freigegeben. Damit war Listernohl nur noch eine öde Abbruchstelle.

Heute kann man sagen, dass sich die Listernohler in ihrem neuen Ort wohlfühlen. Sie bringen dieses auch beim feiern ihrer Feste, wie z.B. Schützenfest, Karneval oder des Pfarrfestes der St. Augustinus-Kirchengemeinde zum Ausdruck. Das 25jährige Ortsjubiläum feierten die Neu-Listernohler erst 1990. Der Ausschuss der Vereinsvorstände hatte sich darauf geeinigt, den Tag als Dorfgründung anzusehen, an dem das Allerheiligste von der alten Kirche in Listernohl in die neue Kirche in Neu-Listernohl umziehen konnte. Das war Schützenfestsonntag 1965.